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CHRONOLOGIE UNTERSUCHUNGEN

Fatale Bewegungen

Auto – Mobil & Musik

Auto-Mobil und Musik ziehen mich in den Bann durch ein Spiel von Still-Stand und Bewegung: Vier Szenarien: in allen spielen Auto-Mobil und Musik die bewegenden Rollen.

Mehr als bloße Hilfsmittel zur Überwindung von Raum und zur Erzeugung von Klang, agieren Auto und Musik  als Medien, magische Vermittler eines Geschehens, das seine Spuren an den Dingen und mir hinterlässt.

Auto-Mobil und Musik ziehen mich in den Bann durch ein Spiel von Still-Stand und Bewegung: das Auto-Mobil ist für mich die „Zelle“, in der „einsitze“, um mich fort zu bewegen- immobil kann ich das Auto-Mobil als meine Selbst- Bewegung er-fahren. Musik lässt alles um mich herum verstummen – die „Welt“ steht still und ich lasse mich in die Bewegung, den Rhythmus und Klang der Musik ziehen.

Still- Stand und Bewegung von Auto-Mobil und Musik entfalten ihre Magie in Szenarien eigentümlicher Er-fahrungen: im Videoclip eröffnet das play> der Musik mit den Bildern des Auto-Mobils eine Story fataler Bewegungen; im RL [Real Life] einer Autofahrt verdichten sich Auto-Mobil und Musik zum Geschehen, das mich (nicht nur fort) bewegt.

Was zunächst nach der Schilderung einer Autofahrt aussieht, wird mit dem Einsatz der Musik und dem Ausblenden der Umgebungsgeräusche zu einer Erzählung, in der sich eine eigene Welt eröffnet.

1. Szenario [„My favourite game“, Version 1]: play>

Ein schwarzes Cabrio steht am Rande eines Highways startbereit: aus dem Radio warnt eine Stimme vorsichtig zu fahren. Eine junge Frau am Fahrbahnrand sucht einen der dort liegenden Steine aus und legt ihn auf das Gaspedal. Sie steigt in das Auto, das Radio verstummt, Musik setzt ein und mit ihr beginnt eine rasende Fahrt.

My favourite Game | The Cardigans | Dead Version | Regie: Jonas Akerlund

Im Song wiederholt sich ein bestimmter Rhythmus und der Refrain: „And I’m losing my favourite game“. Während der Fahrt verursacht die Frau mehrere Unfälle, drängt andere Autos von der Bahn, überfährt Menschen, setzt aber ihre Fahrt ungehindert und ohne Zögern fort. Sie steht zwischendrin auf oder lenkt mit den Füßen. Als sie einen Kleintransporter entgegenkommen sieht, stellt sie sich mit ausgestreckten Armen hin, gibt das Steuer frei und lässt ihr Auto auf den anderen Wagen zurasen.

Der Musikclip „My favourite Game“ (Musik: The Cardigans; Regie : Jonas Akerlund 1998) zeigt eine Bildabfolge, die nicht die Ereignisse einer Autofahrt abbildet, sondern erst die Ereignisse inszeniert, die es nur im Musikvideo und seiner Story gibt. Auto und Musik spielen dabei besondere Rollen: die Musik setzt einen Schnitt, der die Bilder von den Geräuschen dessen, was zu sehen ist, trennt und mit dem Ablauf der Erzählung verbindet. Anders als die Filmmusik referiert die Musik des Clips nicht auf Körper/Bilder und die von ihnen initiierten Handlungsabläufe, sondern stellt ein solches Szenario erst her.

Das Auto-Mobil wird zur Metapher für die fatale (Selbst-) Bewegung und Steuerung auf dem „Highway“ des Lebens, der Linearität und Kontinuität vorgibt. Sie wird durch die Kontingenzen, die Zu/Un/fälle der einzelnen Autos und das heißt der einzelnen „Schicksale“ nicht unterbrochen. Die Fahrt geht weiter, die Zeitdimension ist das vorwärts gerichtete play> der Musik und der Bildabfolge.

Es sind zunächst die anderen Autos, mit denen die Protagonistin zusammentrifft, die von der Straße abkommen, während sie, teilweise durch riskante Wendemanöver weiter dem Highway, ihrem „Favourite Game“ des Lebens folgt. Ihr Auto-Mobil, ihre Form der Bewegung durch das Leben ist eine Selbstbehauptung gegen alle Widerstände und Formen der Beziehung zu anderen. „…in the end it’s always me alone“.

Die Botschaft des Songs „I’m loosing my favourite game“ kündigt indes den finalen Verlust an, die fatale wie tödliche Bewegung des Auto-Mobils, als die Fahrerin die Steuerung aufgibt und das Zusammentreffen mit einem anderen (Auto-Mobil), nahezu magisch angezogen, zulässt.

Mit dem Zusammenprall der aufeinander zufahrenden Autos endet die Musik, und es sind wieder Stimmen aus dem Radio zu hören. Die Fahrerin liegt bewegungslos außerhalb des Auto-Mobils auf der Fahrbahn.

1. Szenario [„My favourite game“, Versionen 2-4]: <<rewind

Dann erfolgt ein rewind << der Musik und der Bildabfolge sowie des „Game“ mit verschiedenen Varianten der Schlussszene. Die Musik setzt erneut ein und die Fahrt vom Loslassen des Steuers bis zur fatalen Begegnung der beiden Auto-Mobile wiederholt sich.

Neben der ersten „Dead- Version„, bei der die Fahrerin auf der Fahrbahn liegen bleibt, gibt es zwei weitere Todesfassungen: Die „Head- Version“ zeigt im Stil eines Splatter- Movie den abgetrennten Kopf der Frau auf dem Asphalt. In der „Stone- Version“ richtet sich die Fahrerin zunächst wieder auf und wird erst dann von dem Stein tödlich getroffen, den sie auf das Gaspedal gelegt hatte und der durch den Aufprall mit ihr aus dem Auto geschleudert wird. In der „Walkaway„- Version steht die Fahrerin auf und geht von der Fahrbahn und aus dem Bild.

Das <<rewind stellt eine zeitliche Bewegung zurück her, von der aus die Ereignisse anders inszeniert werden können. Doch mit dem erneuten Sprung in den play> Modus der Musik und der Fahrt des Auto-Mobils auf dem Highway werden zwar nicht dieselben Ereignisse, aber ihre Linearität und Eindimensionalität wiederholt.

Es gibt nur Varianten im Ablauf des „Games“ Leben, seiner Kontingenz und Finalität. Die „Walkaway“- Version ist nicht das „Happy- End“, sondern nur eine weitere Form des „loosing my favourite game“, indem auch es im Verlassen des Highway und das heißt des Lebens endet. Das Auto-Mobil bleibt immobil, zerstört zurück. Die Musik lässt nicht verstummen, sondern verstummt selbst.