Kategorien
CHRONOLOGIE UNTERSUCHUNGEN

Fatale Bewegungen

Szenario [„What it feels like for a girl“]: play>

Zwei Frauen bereiten sich zum Ausgehen vor: die junge „styled“ sich, die alte Frau wartet, während sie ein Puzzle legt, in ihrem „guten“ Kleid darauf, dass man ihr aus dem Rollstuhl hilft.

„What it feels like for a girl“ | Madonna | Regie: Guy Ritchie

Im Hintergrund ist die Stimme der jungen Frau zu hören.“… you think that being a girl is degrading. But secretly you’d love to know what it’s like. Wouldn’t you. What it feels like for a girl.“ Die Musik dringt in den Vordergrund, die junge Frau steigt in das Auto und holt die alte Frau zu einer gemeinsamen Fahrt ab.

Der Rhythmus der Musik und das hektische Geschehen verbinden sich zu einem intensiven Szenario, durch das der Refrain klingt, „Do you know what it feels like for a girl. Do you know what it feels like in this world. For a girl.“ Die Autofahrt durch eine Stadt gerät zur gezielten Attacke gegen männliche Personen, deren Autos die junge Frau mit ihrem Auto rammt, die sie ausraubt und mit deren gestohlenem Auto sie schließlich gegen einen Laternenpfosten rast.

Der Clip „What it feels like for a girl“ (Musik: Madonna, Regie: Guy Ritchie 2001) inszeniert eine Story, in der das Auto die genderspezifische Form des Selbst und seiner Bewegung innerhalb eines urbanen sozialen Kontextes symbolisiert. Die Oberfläche des Aussehens der jungen Frau und der Autos werden als Zeichen für Verhaltensmuster und Praktiken aufeinanderbezogen, die als typisch weiblich und als typisch männlich codiert sind. Die Musik setzt die Schnitte, von denen aus die Story als das zwangsläufige Aufbrechen der Oberflächen inszeniert wird. Unterbrochen vom Refrain des weiblichen Chors und der Stimme der jungen Frau treibt ihr Rhythmus die aggressive Bewegung der Auto-Mobile voran bis zum finalen Zerbersten der Oberflächen.

Das „Make-Up“ der jungen Frau entspricht den üblichen Erwartungen an ein positiv bewertetes weibliches Äußeres. Gegenüber der alten Frau zeigt sie sich fürsorglich, und einer weiblichen Serviceperson steckt sie das zuvor einem Mann geraubte Geld zu. In Differenz dazu steht ihr Verhalten beim Fahren der Auto-Mobile, deren glänzende und ebenfalls „aufgemotzte“ Oberfläche in Form und Ausstattung die Clichés von Penis-Symbol und „Macho“ -Attitude bedienen.

Die junge Frau übernimmt, sobald sie hinter dem Lenkrad sitzt, die den Auto-Mobilen zugeordnete aggressive, männlich codierte Pose als ihre eigene Selbstbewegung. Sie imitiert das Verhaltensmuster, das sie zugleich angreift. Ihr weibliches Aussehen wird nur mehr zum Mittel, das sie gezielt bei ihren Attacken auf die männlichen Personen bzw. Auto-Mobile einsetzt, etwa wenn sie ihnen erst zuzwinkert, bevor sie sie mit ihrem Auto-Mobil rammt.

Das Durchdrehen der Räder beim Aufheulenlassen des Motors symbolisiert die fatale Bewegung, in die sich das Geschehen in rasender Fahrt und im raschem Rhythmus der Musik steigert. Das Auto -Mobil bewegt nicht fort und nicht weiter, sondern auf den gewaltsamen Still-Stand von Auto-Mobil und Musik zu.