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CHRONOLOGIE UNTERSUCHUNGEN

Fatale Bewegungen

3. Szenario [„Karma Police“]: play>

Mit dem Einsetzen der Musik schweift der Blick durch das leere Innere einer Limousine. Es sind Schritte und das Zuschlagen der Tür zu hören. Das Auto-Mobil setzt sich in Bewegung.

Karma Police | Radiohead | Regie: Jonathan Glazer

Das Auto-Mobil setzt sich in Bewegung. Aus der Sicht hinter dem Lenkrad rollt das Auto-Mobil geradeaus einen Highway entlang, einem dunklen Horizont entgegen.

Nach einer Weile ist im Scheinwerferkegel ein Mann zu erkennen, der vor dem Auto-Mobil davon läuft. Schließlich bleibt er stehen und dreht sich um. Die Limousine weicht zurück und hinterlässt auf dem Asphalt eine Benzinspur. Zitternd und hinter seinem Rücken verborgen zündet der Mann ein Streichholz an und wirft es auf die Benzinspur, die sofort Feuer fängt. Das Auto-Mobil, in dem zwischenzeitlich im Fond ein Mitfahrer, aber nie eine Person hinter dem Lenkrad zu sehen war, gleitet weiter zurück, wird aber von den Flammen eingeholt, die die nun wieder leere Karosse umschließen.

In „Karma Police“ ( Musik: Radiohead; Regie: Jonathan Glazier 1997) ist das Auto ein Auto-Mobil im engen Sinn der Selbstbewegung: es gibt keine Person, die es steuert. Umgekehrt steuert es vielmehr da Verhalten der Person außerhalb, die vor ihm davon läuft.

Der Refrain des Songs „This is what you get. When you mess with us,“ verstärkt die diffuse Drohung, die in der Machtbeziehung liegt, die vom Auto-Mobil ausgeht. Die Musik inszeniert mit ihrem langsamen Rhythmus und der Monotonie des Gesangs die Beharrlichkeit des Auto-Mobils, das sie als unentrinnbares und kontrollierendes Karma erscheinen lässt. Die kontinuierliche, fast immobile Bewegung des Auto-Mobils lässt den Mann auf dem Highway nicht los, holt ihn aber auch nicht ein, überfährt ihn nicht, obwohl sie es könnte.

Mit dem Still-Stand des Mannes kehrt sich die Machtbeziehung um. Er unterbricht die Wirkung des Auto-Mobils und seiner fatalen Bewegung, die sein Verhalten zwanghaft steuerte. Der Mann stellt sich seinem Karma. Das Auto-Mobil weicht zurück und gibt die Energie frei, mit der der Mann aktiv werden und die fatale Bewegung des Auto-Mobils endgültig im Feuerring bannen kann.

Der Blick in das Auto-Mobil zeigt es wieder leer: die Macht des Auto-Mobils war die Ohn- Macht des Mannes und seiner Flucht- Bewegung. Die Musik, die die Machtbeziehung mit- bewegt hat, verstummt im Auflodern der Flammen, deren Geräusch an ihre Stelle tritt.